Heilpflanze des Monats Februar 2019: Huflattich

Geschrieben von am 6. Februar 2019 | Abgelegt unter Alle, Region Ostsee

Aus dem aktuellen Rundbrief vom Netzwerkpartner Dr. Jörg Köhn (Ostsee) entnommen. Vielen Dank.:

Ein Zwölftel des Jahres ist schon vorbei… Das Wintergrau sucht uns heim und eigentlich sollte ich über die drei wichtigsten Pflanzen gegen Depressionen schreiben – Gelsemium (Winterjasmin), Helleborus (Christrose) oder Hamamelis (Zaubernuss). Alle drei blühen derzeit. Aber ich habe diese drei Pflanzen schon einmal in einem Newsletter vorgestellt. Das fiel mir wieder ein, als ich immer und immer wieder die vielen Anzeigen „neuer“ Arzneimittel in allen – (Tages-)Zeitungen gegen Gelenkschmerzen, für bessere Potenz usw., in denen häufig insbesondere der Winterjasmin verwendet wird, las. Die nächste Wahl war, etwas über die natürlichen Aspirine zu schreiben: Weidenrinde oder das Kopfschmerzkraut Mädesüß. Letzteres blüht aber erst im Sommer, wann man das Kraut auch sammelt.

Nun erleben wir ja täglich einen „grauen“ Wetteralltag, gegen den, die ersten Schneeglöckchen und die gelben Winterlinge schon im Januar begannen, an zu blühen, erinnerte mich an eine Pflanze, die im zeitigen Frühjahr blüht, aber erst im Sommer Blätter hat und die Kraft für die Blüten im nächsten Jahr sammelt.

In diesem Monat stelle ich deshalb den Huflattich (Tussilago farfara) vor. Dabei ist mir aus meinem Biologiestudium immer noch ein Lehrsatz für den lateinischen Namen im Ohr. Ein echter „Ohrwurm“ eben:

Die Kuh, die lag im Gras und fraß: Tussilago fafaras.

Nun ja, da geht es wohl um die Heilwirkung der kleinen gelben Sonnenblüten und der großen, fast quadratischen Blätter, der vom Flachland bis ins Hochgebirge vorkommenden Pflanze. Die gelben Blüten erfreuen uns als einige der ersten Farbtupfer auf der grauen Erde nach dem Schnee. Im Sommer findet man dann nur noch die Blätter. Es sei denn, an der Schneekante im Gebirge, da, wo der Schnee gerade abgetaut ist, blüht sie neben Krokussen, Tulpen, Türkenbundlilien und anderen Frühblühern fast das ganze Jahr. Huflattich liebt Zink haltige Böden. Da Zink wird bei vielen Immunreaktionen benötigt wird, kommt wohl auch daher eine seiner vielen Heilwirkungen!

Gesammelt werden Blätter und Blüten. Mit der fast quadratischen Form lassen sich die Blätter von den eher herzförmigen, ebenfalls sehr großen Blättern der Kletten gut unterscheiden. Huflattich-Blätter sind zudem oben satt dunkelgrün, auf der Unterseite gräulich-weiß, manchmal fassen sie sich etwas ledrig an.

Der lateinische Name Tussilago weist auf die Hauptanwendungsgebiete hin: Husten (Pertussis = Keuchhusten). Wenn Sie also eine Dame wieder einmal an eine „Tussi“ erinnert, sollte diese auch gerade Husten haben!

In der TCM gehören zum „Lungenkreis“ (Herbstmonate sind oft Zeiten häufiger Erkältungen!); die Lunge als Hauptorgan, der Dickdarm als Nebenorgan, die Schleim- und alle anderen Häute. Die Lunge öffnet durch die Nase …

Die Lunge steht psychisch für Kummer und Sorgen, aber auch Todesangst. Damit sind alle Hauptanwendungen für den Huflattich schon sehr gut abgedeckt, also wiederkehrende Erkrankungen der Atemwege mit Husten und Auswurf, Halsentzündung, Nachtschweiß, Fieber am Abend, Verstopfung, Unruhe und Einschlafprobleme, nässenden Hauterkrankungen, bis hin zu offenen Beinen.

Huflattich ist das älteste bekannte Lungenheilmittel und „Hustenkraut“. Es wirkt auswurffördernd, schleimlösend, reizmildernd bei Reizhusten, Bronchitis, chronischen Lungenleiden, Asthma, Atemnot in einer „erstickenden“ Atmosphäre – wenn man durch seine eigene Tugendhaftigkeit erdrückt wird, die einem auch die Kehle zu schnüren kann – siehe Asthmazigarette, Brustfellentzündungen, Silikose (Staublunge), Raucherhusten, aber auch Magen- und Darmreizungen (Schleimhäute).

Bei Venenentzündungen wendet man das Kraut als Auflage – frische überbrühte Blätter –, als Einreibungen mit dem frischen Saft ausgepresster Blätter – analog zu Wegerich – als Schlagsahne- oder Quarkwickel, zusätzlich mit Ringelblume und ein wenig Mädesüß-Tee (blutverdünnend, natürliches Aspirin) wenn Hitze aus dem Gewebe gezogen werden soll, oder in Fett gebundener Salbe äußerlich an. Ich empfehle als Salbengrundlage Kokosfett und auf Vaseline – aus Erdöl – zu verzichten. Die Umschläge oder zerquetschten Blätter (Saft) eignen sich bei Hautentzündungen und –ausschlägen, Brandwunden, Schleimbeutelentzündung und auch zur Behandlung entzündeter Gelenke.

Die meisten anderen Anwendungen sind Tees. Dazu einen gehäuften Teelöffel Kraut, am besten Blüten, heiß überbrühen und 10 Minuten ziehen lassen. Man trinkt mehrere Tassen täglich. Den Tee kann man mit Malve, Gundermann, Quendel und Wegerich mischen. Ich meine, dass eine Prise reicht und man das Kraut/die Kräuter mehrfach aufbrühen sollte. Mit Kamille gemischt setzt man Huflattich auch bei schleimlösenden Dampfbädern ein.

Als Urtinktur oder Zusatz zu Arzneigetränken wird das Kraut auch eingesetzt bei Lebererkrankungen/Leberverhärtung. Psychisch kann Huflattich so der Leber – dem Feldherren der Gefühle – helfen Kummer, Sorge, Angst, Wut und Zorn zu klären, wie auch die nächste Anwendung es nahelegt.

Die für mich wichtigste Anwendung ist allerdings – wie Wolf-Dieter Storl lehrt – die Asthmazigarette, um altes, verborgenes, etwas einen selbst blockierendes aus dem „Schattenreich“ in Rauch aufzulösen. Schattenbereich deshalb, weil zur Asthmazigarette neben Huflattich und Melisse vor allem ein Nachtschattengewächs (Hexen-, d.h. Bilsenkraut) hinzugenommen wird.

Außerdem war Huflattich (Blätter) auch ein bekanntes Wildgemüse. Kühe wissen das!

Auch die TCM kennt den Huflattich. Er gilt als süß (Milz stärkend), bitter (Herz stärkend) und wärmend. Wie bereits beschrieben, wirkt er auf Lunge und Dickdarm. Er tonisiert das Dickdarm-Yin, das Lungen-Qi und –Yin, stärkt also das Immunsystem. Huflattich beruhigt auch den Geist (shen, also das Herz), insbesondere im Verbund mit Melisse. Huflattich wirkt toxischer Hitze entgegen (z.B. Erkältungs-Fieber) und löst Schleim-Stagnationen in der Lunge auf.

Also Augen auf, die Blüten des Huflattich sind in Kürze zu erwarten! Viel Spaß beim Sammeln und meiden Sie den Kontakt zu „Tussis“!


Nächste Termine:

Mein nächstes monatliches Seminar findet erst im März (12.3.), statt, dann, in März, vermutlich auch die erste Kräuterwanderung 2019 (9.3.).

Termine für das Jahr 2019:

  • Seminare, wie immer am 2. Dienstag des Monats, 16 Uhr (außer Februar), in der PoseidonApotheke.
  • Kräuterwanderungen je nach Winterverlauf ab März oder April am 2. Samstag des Monats, 1416 Uhr, in Heiligenhagen.
  • Kunst offen zu Pfingsten.
  • Tag der offenen Praxis am 26.10. in Heiligenhagen

Kontakt:
Naturheilpraxis Dr. Jörg Köhn
Büdnerreihe 20a
18239 Satow/Heiligenhagen
Tel.: 038 295 – 71 414
Fax: 038 295 – 71 415
mobil: 0171 – 610 3 610
www.naturheilpraxis.dr-joerg-koehn.de

Videointerview vorgestellt von Ingrid Hoffmann Ansehen

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