Heilpflanze des Monats Juli 2019: Knotige Braunwurz

Geschrieben von am 9. Juli 2019 | Abgelegt unter Alle, Region Ostsee, Region Südwestsachsen

Foto: wikipedia / Kurt Stüber

Aus dem aktuellen Rundbrief vom Netzwerkpartner Dr. Jörg Köhn (Ostsee) entnommen. Vielen Dank.:

Die Pflanze des Monats ist die Knotige Braunwurz (Scophularia nodosa). Sie hat einem ganzen Miasma – wichtig in der homöopathische – ganzheitlichen Therapie, bedeutet „Verschmutzung“ des Gesundheitszustandes eines Lebewesens – den Namen gegeben: Skrofulose (nach Sebastian Hahnemann). Skrofeln sind Knötchen unter der Haut, die durch Milben verursacht und durch den ständigen Juckreiz – in der TCM = innerer Wind – immer wieder aufgekratzt werden und zu Folgeinfektionen führen können.

Früher galt dieser Sammelbegriff für verschiedenste Krankheitsbilder als Krankheit durch Leben in Schmutz, in den Slums der frühen industriellen Epoche. Heute ist sie Ausdruck von Krankheitsbildern fast ganz gesunder Menschen, die noch Arzneimittel einnehmen. Es ist die vorletzte Stufe vor der völligen Wiederherstellung der Gesundheit, ihrer Nebenwirkungen wegen heute als Arzneimittel-Krankheit bezeichnet.

Mir begegnete die Pflanze bewusst, das erste Mal in einem erbärmlichen Zustand im Herbst vor 5 oder 6 Jahren im Rosarium Sangerhausen in einer sumpfigen Auwald-Ecke. Deshalb habe ich die prächtigen 1,20 bis 1,40 m hohen Exemplare – höher als in der Literatur angegeben! – in meinem Garten und im Tessenitz-Wald wohl auch nicht gleich wieder erkannt? Die braunen fast winzigen Blüten sind auf den ersten Blick auch nicht als Lippenblüten erkennbar. Die braunen Blüten und „knotigen“ Früchte geben ihr wohl den Namen …

Sie stellt ihr Licht eben bescheiden unter ihren Scheffel und wird auch in der Kräutermedizin wohl zu oft verkannt. Mancherorts heißt sie auch „Hexenwurz“. Damit ist sie vielleicht auch ein Heilkraut nur für die „Eingeweihten“? Nun ist sie auch in meiner Kräuterapotheke zumindest als Urtinktur aus Blüten und Blättern angekommen. Die Wurzeln werde ich wohl erst nutzen, wenn sich der Bestand im Kräutergarten so stabilisiert hat, dass ich durch die Ernte den Fortbestand nicht gefährde. Bis dahin teste ich nach alter Hahnemann–Manier erst einmal an mir …

Gemäß ihrer Einstufung und Anerkennung ihrer Wichtigkeit im Gesundungsprozess durch Hahnemann verwundert es nicht, dass ihre Wirkungen vor allem – ähnlich dem Roten Storchschnabel – das Immunsystem betreffen. Sie wirkt also auf Drüsen und das Lymphsystem, fördert und generiert die Abwehrkräfte im Körper. Sie kann daher auch erfolgreich zum Abheilen von Allergien eingesetzt werden.

Die Knotige Braunwurz wirkt entzündungshemmend, abschwellend und Schmerz stillend – vielleicht auch äußerlich als Tinktur nach Insektenstichen, die bei mir immer sehr stark schwellen, Harn treibend und anregend. Sie kann eingesetzt werden bei allen (Schleim-)Haut und Unterhautproblemen (siehe oben), also Entzündungen und Ekzemen. Damit sollte sich die Wirkung im Sinne der TCM auf Lunge, Dickdarm – Wirkung gegen Verstopfung – und äußere und innere Häute konzentrieren. Mehr Wissen erschließt sich mir vielleicht, wenn mir einmal die Geheimnisse der Hexenküche offenbart werden (sollten). Da Hexen oft mit „Knoten“ im Gesicht assoziiert we(u)rden, setzten sie die Knotige Braunwurz ein, um diese im Gesicht und sicher auch an anderen Körperstellen zu beseitigen.

Die Hexer der Neuzeit – Chemiker – haben die Inhaltsstoffe analysiert. Sie geben Saponine, Flavonglycoside, Flavone, Alkaloid, Digitalis-Glykoside, Harpagoide für die Braunwurz an. Mein Gefühl ist, wie immer wirken diese Stoffe nur im Cocktail und verhindern so auch schädliche Nebenwirkungen und entfalten ihre Wirkung nur, wenn der Körper diese Heilwirkungen auch abfordert. … und das umso besser und im vollen Umfang auf der entsprechenden miasmatischen Stufe, also bei der Knotigen Braunwurz kurz vor der Erreichung einer völligen Gesundung und beim Ausschleichen aus längerer Medikamenten-Einnahme.   

Noch zwei Nachrichten aus der Hexenküche:

  1. Gänsefingerkraut wirkt als Urtinktur in Wasser über den Tag in kleinen Schlucken getrunken offenbar besser als der Wein in einem Abendschluck. Das getrocknete Kraut in die Socken gelegt wirkt über eine Woche gegen Gelenk- und Muskelschmerzen in den Beinen. Nach einer Woche ist eine neue Kräutereinlage notwendig.
  2. Mein Arthritis-Öl bewährt sich immer öfter. Ein bis wenige Tropfen Einreibung der betroffenen Gelenke bringt spürbare Besserung. Ein wichtiges Kraut in der Mischung ist offenbar der Wiesenbärenklau – die „Arnica“ des Nordens. Anders als Arnica – „Bergwohlverleih“ – ist der Wiesenbärenklau über den Wurzelstock mehrjährig und kann so alljährlich vor der Blüte geerntet werden  

In diesem Sinne bleiben Sie gesund.
Herzlichst Ihr Jörg Köhn

.

Nächste Termine:

Die monatliche Kräuterwanderung dieses Mal am 13. Juli, 14 Uhr in Heiligenhagen. Diesmal zu Thema „Natürliches Aspirin“. Zwei auch für mich neue Pflanzen habe ich beim letzten Mal wieder entdeckt – beides Lippenblütler, beide brauchen feuchten Waldboden. Eigentlich hätte ich sie wieder erkennen müssen, vor allem auch da sie ein breites Anwendungsfeld in der Homöopathie haben … Im Anschluss mit Kaffee/Tee und Kuchen. Teilnahmegebühr: 10 €.

Mein Monatsseminar zum Thema: „Die chinesische Organuhr – Einfacher leben im natürlichen Rhythmus“ am 9. Juli, 16 Uhr in der Poseidon-Apotheke, H.-Ibsen-Str. 29, Rostock-Evershagen. Sie sind herzlich eingeladen und dürfen mich wie gewohnt, mit Ihren Fragen löchern. Teilnahmegebühr 5 €

Kontakt:
Naturheilpraxis Dr. Jörg Köhn
Büdnerreihe 20a
18239 Satow/Heiligenhagen
Tel.: 038 295 – 71 414
Fax: 038 295 – 71 415
mobil: 0171 – 610 3 610
www.naturheilpraxis.dr-joerg-koehn.de

Videointerview vorgestellt von Ingrid Hoffmann Ansehen

© Dr. Jörg Köhn 2019. Alle Rechte vorbehalten

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.