Heilpflanze des Monats August 2019: Wald-Bingelkraut

Geschrieben von am 1. August 2019 | Abgelegt unter Alle, Region Ostsee

Foto: Wikipedia Velela

Aus dem aktuellen Rundbrief vom Netzwerkpartner Dr. Jörg Köhn (Ostsee) entnommen. Vielen Dank.:

Es „verfolgt“ mich schon seit Jahren, brauche ich es deshalb? Das Wald-Bingelkraut, Mercurialis perennis, wächst an praktisch allen schattigen Plätzen in unserem Garten, wie auch der bereits besprochene Rote Storchschnabel, die Goldnessel und einige andere Schatten liebende Bodendecker. Nun wir haben ja aus einer Kuhweide einen Naturgarten oder schon Wald (?) geformt und diese Kräutergeister auch eingeladen … Drei bis fünf Zentimeter unter der Oberfläche bildet das Waldbingelkraut Speicherwurzeln, die unterirdisch immer weiter vordringen und so leise, still und heimlich immer neue Plätze erobert. Dieses heimlich, still und leise hat wohl auch etwas mit den Heilwirkungen zu tun, zumindest mit den Heilwirkungen bei Schleimhauterkrankungen? Oder sollte ich mich mit diesem heute selten genutzten Heilkraut nur einmal näher beschäftigen?

Alle Bingelkräuter sind alte, wohl vom Heilgott Merkur – daher der Name – initialisierte, tief wirkende aber giftige Heilpflanzen. Es sind allesamt einst aus wärmeren Gefilden eingebürgerte Pflanzen, denen heute viel Zuwendung der Gilde der Schädlingsbekämpfer entgegengebracht wird.

Der lateinische Name weist auf Quecksilber (Mercurius) hin, das alle „Zahnfüllungsträger“ im Amalgam kennen und besser ausleiten sollten. Das ist aber eine andere Geschichte, deren wie „Entgiften“ ich aus eigenen Erfahrungen auch in meinem Praxiskanon als Anleitung zum Selbermachen anbiete. Auf das homöopathische Mercurius-Mineral kommen ich später zurück …

In unserem Garten ist es das Waldbingelkraut, das sich da so freudig ausbreitet und mit schlichten aber interessanten Blütenständen „erfreut“. Ich bin dann im Buch „Pflanzliche Urtinkturen“ vom Ehepaar Kalbermatten und in Rühlemann´s Versandkatalog für Kräuter- und Duftpflanzen auf das Kraut gestoßen und war über die vielfältigen angeführten Heilwirkungen erstaunt.

Jetzt reift auch bei mir die erste Urtinktur für die homöopathischen Verdünnungen heran und wartet außer mir auf weitere „Tester“, denen diese Urtinktur bei Leiden wie Pollenallergien und Ozonbelastungen, die Juckreiz und Brennen in den Augen und Atemwegen (ein Gruß an die Städter mit reduziertem Immunsystem!) helfen kann … Ich habe Merkur oder einem anderen Gott-sei-Dank keines dieser von Kalbermatten und anderen z.B. auch im Internet angeführten Leiden J. Mercurialis soll im Akutfall in D-Potenzen – verdünnte und potenzierte Urtinktur – mehrfach am Tag eingenommen zumindest Linderung verschaffen.

Nach den Regeln der TCM würde ich das Kraut demnach vor allem der Lunge (dazugehörig Haut, Schleimhäute (Atem- und Verdauungswege) und Dickdarm, der Wurzel des Immunsystems, zuordnen). Dem entspricht auch, dass Hexensalben zur Bekämpfung hartnäckiger Geschwüre und schlecht heilender Wunden Extrakte von Bilsenkräutern enthielten. Aus der Pflanze konnten viele heute bekannte Wirkstoffe isoliert werden (ätherische Öle, Saponine, Bitterstoffe, Amine, Gerbsäuren, Glykoside, Farbstoffe).

Früher wurden auch Tees aus dem Kraut hergestellt. Ich würde aber nur sehr dünne Tees wegen der Giftigkeit aller Wolfsmilchgewächse empfehlen. Trennt man Bingelkraut ab, tritt im Gegensatz zu anderen Wolfsmilchgewächsen (Name!) aber nicht der für diese Pflanzenfamilie sonst charakteristische Milchsaft aus.

Die Tees kann man als Trinkkur auch bei Geschlechtskrankheiten oder Frauenkrankheiten (v.a. Ausfluss, Entzündungen der Brustwarzen bei stillenden Müttern oder zur Unterstützung des Abstillens nach Hippokrates), Rheuma und Gicht (einwöchige Kur) sowie hartnäckigen Verstopfungen (bis zu drei Tagen) anwenden. Das Kraut immer getrocknet, nie frisch verwenden!

Ein dünner Tee wirkt auch Schleim lösend, Entzündungen hemmend und ausleitend, z.B. bei Ödemen. Die potenzierte Urtinktur – dem homöopathischen Grundsatz: „Weniger ist mehr“ folgend – erreicht das gleiche Ziel! Es sei denn, man verschafft sich auch Linderung durch ausschließlich äußere Anwendungen wie Auflagen z.B. mit im dünnen Tee getränkten Tüchern (Waschlappen) oder Pads, z.B. auf den Augenlidern. Waschungen und Teilbäder eignen sich als weitere äußere Anwendungen zur Unterstützung der Wundheilung. Im Mittelalter wurde Bingelkraut auch gegen Depressionen (Melancholie) – zur Stimmungsaufhellung –, Wetterfühligkeit und in Hexensalben als Aphrodisiakum und Narkotikum eingesetzt.

Die schlecht heilenden unter die Haut gehenden Wunden geben mir einen Hinweis auf die Wirktiefe des Mittels: miasmatisch sollte es – wie das mineralische Quecksilber auch – auf sehr schwere Erkrankungen die Heilung unterstützend wirken. In solchen Fällen müsste man aber mit sehr hohen, mindestens C-Potenzen arbeiten. Diese herzustellen überlässt man aber besser Fachunternehmen oder handelt nach dem Grundsatz: „Ähnliches heilt Ähnliches“. Und verwendet zunächst Hochpotenzen des Minerals Mercurius.

Insgesamt sind die beschriebenen „Heilwirkungen“ der Pflanze ohnehin ihrem homöopathischen Analogons sehr ähnlich und die Heilwirkungen müssten um ein Mehrfaches ergänzt werden. Wenn dem so ist, habe ich auch in meiner Praxis bereits sehr gute Erfahrungen mit dem „Kraut“ bzw. dem homöopathischen Mercurius.In diesem Sinne bleiben Sie gesund.

Herzlichst Ihr Jörg Köhn


Nächste Termine:

Im Urlaub werde ich uns – meiner Frau und mir – einen Blick in die Heilkunst des Ayurveda an den Original-Spielplätzen, wie es oft in der Werbung heißt, anschauen. Aber vorher liegt noch ein Teil Arbeit vor mir …. Die Berichte zum Ayurveda gibt es dann im September-Seminar, am 10. September, 16 Uhr, am gewohnten Ort in der Poseidon-Apotheke. Diesen Termin bitte bereits vormerken, wie auch den der Kräuterwanderung im September, am 14. 9., 14 Uhr in Heiligenhagen. Den Newsletter September muss ich leider ausfallen lassen … bin da noch in Behandlung J. Tja, damit auch keine Heilpflanze des Monats im September L. Ich bitte das zu entschuldigen.

Die monatliche Kräuterwanderung im August findet noch vor meinem Urlaub, am 10. August, 14 Uhr in Heiligenhagen statt. Im Anschluss mit Kaffee/Tee und Kuchen. Teilnahmegebühr: 10 €.

Mein Monatsseminar zum Thema: „Rhythmen und Zyklen der Lebensuhr“ am 13.August, 16 Uhr in der Poseidon-Apotheke, H.-Ibsen-Str. 29, Rostock-Evershagen. Ich werde versuchen Ihnen dabei einige Ihrer inneren Augen und Wächter zu öffnen und nicht der DDR-Tradition an diesem Tage folgend „Mauern bauen“. Sie sind herzlich eingeladen und dürfen mich wie gewohnt, mit Ihren Fragen löchern. Teilnahmegebühr 5 €.

Kontakt:
Naturheilpraxis Dr. Jörg Köhn
Büdnerreihe 20a
18239 Satow/Heiligenhagen
Tel.: 038 295 – 71 414
Fax: 038 295 – 71 415
mobil: 0171 – 610 3 610
www.naturheilpraxis.dr-joerg-koehn.de

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